Die Regionen und Städte haben eine stärkere Rolle in der nächsten Fazilität „Connecting Europe“ (2028–2034) gefordert, um sicherzustellen, dass Infrastrukturinvestitionen wirksam umgesetzt und besser…
Sven Schulze: "Wir müssen im Transformationsprozess in der Automobilindustrie technologieoffen bleiben."
Eine europäische Transformationsstrategie ist erforderlich, um den Ausstieg aus der traditionell betriebenen Verbrennertechnik zu erleichtern. Diese Ansicht vertritt der Europäische Ausschuss der Regionen in einer am 11. Oktober verabschiedeten Stellungnahme. Der Schwerpunkt dieser Strategie sollte auf der Entwicklung neuer grüner und digitaler Technologien, der Umschulung und Weiterqualifizierung von Arbeitskräften und der Unterstützung der am stärksten betroffenen Regionen liegen. Zu diesem Zweck sollte eine territoriale Folgenabschätzung zu den Auswirkungen des digitalen und des grünen Wandels dieser strategisch wichtigen Industrie durchgeführt werden.
Die Kommunal- und Regionalpolitiker empfehlen in ihrer Stellungnahme „Ein gerechter und nachhaltiger Wandel in den Automobilregionen“, dass Mittel aus dem bis 2027 laufenden MFR bereitgestellt werden sollten. Außerdem sollte die fortlaufende Unterstützung auch durch die Kohäsionspolitik der EU und den möglichen Nachfolger des Fonds für einen gerechten Übergang gesichert werden. Der AdR unterstützt den Übergang zu einer klimaneutralen Automobilindustrie, ohne den die EU ihre Klimaziele nicht erreichen wird. Er betont jedoch, dass der Wandel – die EU schlägt vor, den Verkauf neuer Pkw und leichter Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis 2035 schrittweise auslaufen zu lassen – tiefgreifende Auswirkungen auf die regionalen Automobil-Ökosysteme und die Beschäftigung in der Automobilbranche haben wird.
Die Automobilindustrie erwirtschaftet über 7 % des BIP der EU und beschäftigt derzeit direkt oder indirekt über 14 Millionen Menschen, was 6,1 % der Gesamtbeschäftigung in der EU entspricht.
BerichterstatterSven Schulze (DE/EVP), Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt, sagte: "Wir müssen uns – und insbesondere die Bevölkerung in den Regionen – auf den Transformationsprozess in der Automobilindustrie vorbereiten und dabei technologieoffen bleiben. In Sachsen-Anhalt wollen wir für die 25.000 Menschen, die hier in der Zulieferindustrie arbeiten, keine Verunsicherung erzeugen, sondern Perspektiven schaffen."
Die AdR-Mitglieder fordern die Europäische Kommission auf, eine umfassende territoriale Folgenabschätzung zu den Auswirkungen des Übergangs zu einer emissionsfreien Automobilindustrie auf die Beschäftigung durchzuführen, die von Region zu Region und auch innerhalb der Zulieferindustrie unterschiedlich stark ausfallen werden.
In den Empfehlungen wird auch betont, dass alle Interessenträger einbezogen werden müssen, einschließlich öffentlich-privater Partnerschaften. Die EU muss ihre Mittel einsetzen, um die Zusammenarbeit zwischen Industrie, KMU sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen zu fördern.
Isolde Ries (DE/SPE), Bezirksbürgermeisterin von Saarbrücken-West, sagte: "Im Saarland, einem der bedeutendsten Zentren der Automobilzulieferindustrie in Deutschland mit rund 40.000 Beschäftigten, ist der Veränderungsdruck besonders groß. Deshalb haben wir ein Transformationsnetzwerk gegründet. Um die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Standorte zu erhalten, muss der Wandel durch grenzüberschreitende Maßnahmen auf europäischer Ebene unterstützt werden. Dazu brauchen wir eine gemeinsame Transformationsstrategie. Die Allianz der Automobilregionen kann dabei eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Dekarbonisierung des Verkehrssektors spielen. Nur eine einheitliche europäische Strategie mit der Möglichkeit zusätzlicher Finanzmittel für einen nachhaltigen Transformationsprozess wird das Überleben der Europäischen Automobil- und Zulieferindustrie gewährleisten."
Durch die Bereitstellung von Finanzmitteln, Infrastruktur, Ausbildung und anderen Ressourcen tragen die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften erheblich dazu bei, den Übergang der Automobilindustrie zu neuen Technologien und einer nachhaltigen Zukunft zu fördern.
Nach Ansicht der Regional- und Kommunalpolitiker wird die Elektrifizierung der Antriebstechnik für die Automobilindustrie von entscheidender Bedeutung sein. Der Schwerpunkt sollte auf ihren Wertschöpfungsketten, effizienten Batterien und der Herstellung der benötigten Geräte liegen. Durch entsprechende Aus- und Weiterbildung müssen die Arbeitskräfte die Qualifikationen erwerben, die erforderlich sind, um Fahrzeuge herzustellen, die nicht mit Verbrennungsmotoren angetrieben werden.
Hintergrund
Ein gerechter Übergang zur Dekarbonisierung des Verkehrs ist das vorrangige Anliegen derAllianz der Automobilregionen. Dabei handelt es sich um ein politisches Netz von Regionen, die sich für die erfolgreiche Umstellung der europäischen Automobil- und Zulieferindustrie einsetzen. Die Allianz ist eine Initiative des Europäischen Ausschusses der Regionen, der sich dessen bewusst ist, dass die Klimaziele der EU nur durch entschlossenes Handeln erreicht werden können. Ziel ist es, alle Regionen mit einer starken Automobilindustrie zusammenzubringen, die sich aktiv für die Dekarbonisierung des Verkehrs einsetzen, zur Verwirklichung der Ziele des europäischen Grünen Deals beitragen und damit einen gerechten Wandel in den Automobilregionen gewährleisten wollen. Die Allianz besteht derzeit aus 33 Regionen: Den Vorsitz hat Sachsen (DE) inne, Navarra (ES) und die Lombardei (IT) den Ko-Vorsitz.
Mit dem Abschied vom traditionellen Verbrennungsmotor bis 2035 kommt der Allianz eine besondere Rolle zu: Die Europäische Kommission hat denAuftrag, bis Ende 2025 einen Bericht darüber vorzulegen, welche Haushaltsmittel erforderlich sind, um diesen Übergang für alle gerecht zu gestalten. Die Gesetzgeber verpflichten die Europäische Kommission, sich in ihrem Bericht auf die Arbeit der Allianz der Automobilregionen zu stützen.
Ansprechpartnerin:
Theresa Sostmann
Tel.: +32 475 99 94 15