Vorausschau
Worum geht es bei der strategischen Vorausschau?
Mithilfe der strategischen Vorausschau werden mögliche Zukunftsszenarien untersucht, auf deren Grundlage heute in der Gegenwart fundiertere Entscheidungen getroffen werden können. Sie vereint Erkenntnisse aus den Bereichen Management, Wirtschaft, Sozialwissenschaften und Technologie und nutzt dabei strukturiert und systematisch die kollektive Intelligenz.
Über die üblichen Politikzyklen hinaus hilft die Vorausschau den politischen Entscheidungsträgern, Chancen und Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und somit in der Gegenwart mit größerer Zuversicht zu handeln.
Wie funktioniert die Vorausschau?
Für die strategische Vorausschau werden verschiedene Methoden genutzt, die jeweils unterschiedlichen Zwecken und Kontexten dienen. Zu den wichtigsten Methoden gehören:
- Horizon Scanning zur Ermittlung neuer Trends und Disruptoren
- Analyse von Megatrends, um allgemeinere Veränderungsmuster zu verstehen
- Szenarioplanung zur Untersuchung möglicher künftiger Entwicklungen durch strukturierte Narrative
Andere Methoden, wie z. B. Polycrisis Exploration Workshops, tragen zu einem tieferen Verständnis bei, indem Fragestellungen aus einem neuen Blickwinkel heraus betrachtet werden und untersucht wird, wie sich miteinander verbundene Risiken entwickeln können.
Für die Durchführung der Vorausschau gibt es kein einheitliches Modell. Die Instrumente werden ständig weiterentwickelt und den regionalen und lokalen Bedürfnissen angepasst. Weitere Hinweise finden Sie hier: JRC – Competence Centre on Foresight.
Ein Multi-Level-Governance-Ansatz für langfristiges Denken
Städte und Regionen sind auf Vorausschau angewiesen
In ganz Europa durchleben die Städte und Regionen große Veränderungen. Vom Klimadruck bis hin zur raschen Digitalisierung sind die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften von den Auswirkungen oft am unmittelbarsten betroffen und müssen am schnellsten reagieren. Die Vorausschau gibt ihnen die Instrumente an die Hand, die sie benötigen, um Unsicherheit in Chancen umzuwandeln. So können sie eine resiliente Zukunft besser planen und gestalten.
Der AdR als Vorreiter bei der vorausschauenden Governance
Der Europäische Ausschuss der Regionen (AdR) hat die strategische Vorausschau fest in seine Arbeitsweise integriert, um mit dem raschen Wandel Schritt zu halten. 2023 hat der AdR seine erste Stellungnahme zur strategischen Vorausschau verabschiedet. Seitdem haben wir unsere zukunftsorientierte Arbeit weiter ausgebaut und eine Kultur des vorausschauenden Denkens im gesamten Ausschuss gefördert.
Diese Arbeit wird von der Konferenz der Präsidenten und politisch von der Koordinatorin für Vorausschau Jelena Drenjanin (SE/EVP) geleitet, die auch Mitglied der Lenkungsgruppe Bessere Rechtsetzung und aktive Subsidiarität ist.
Vorausschau im AdR
Workshops im Rahmen der Europäischen Woche der Regionen und Städte
Während der #EURegionsWeek bringt der AdR jedes Jahr ca. 60 Vertreterinnen und Vertreter der lokalen und regionalen Ebene für interaktive Vorausschau-Workshops in Brüssel zusammen. Diese Workshops bieten einen offenen Rahmen für den Austausch von Ideen, Konzepten und neuen Verfahren.
Seit 2023 wurde in einer Reihe von Workshops gezeigt, wie Regionen und Städte in ganz Europa die Vorausschau in die Praxis umsetzen – von regionalen Politiklaboren bis hin zu Beispielen auf Städteebene. Hier die Videos vom #EURegionsWeek2024 Workshop bzw. der #EURegionsWeek 2025 Konferenz.
Wenn Sie an der nächsten Europäischen Woche der Regionen und Städte teilnehmen möchten, finden Sie auf der Website der #EURegionsWeek Informationen zur Anmeldung.
Umsetzung der partizipativen Vorausschau
Der AdR führt spezielle Vorausschauen für Kommunal- und Regionalpolitiker durch, wie z. B.:
- Arbeitsgruppe „Der Grüne Deal – Going local“: Barriers to Green Deal implementation
- Fachkommission CIVEX: Future of democracy and multilevel governance
Dabei kommt in der Regel das Scenario Exploration System (SES) zum Einsatz. Sie sollen Politikerinnen und Politiker dabei helfen, zu untersuchen, welche Auswirkungen verschiedene Zukunftsszenarien auf bestimmte wichtige Politikbereiche haben könnten. Außerdem soll eine stärker zukunftsorientierte und resilientere Entscheidungsfindung gefördert werden.
Daneben organisiert der AdR auch Schulungen, in denen Instrumente wie Causal layered analysis (CLA) eingesetzt werden, sowie Polycrisis Exploration Workshops. Diese können in Partnerschaft mit der Gemeinsamen Forschungsstelle oder dem Wissenschaftlichen Dienst des Europäischen Parlaments durchgeführt werden.
Wenn Ihre Stadt oder Region an der Teilnahme von Entscheidungsträgern an ähnlichen Aktivitäten interessiert ist, berät der AdR Sie gerne.
Vorausschau in der analytischen Arbeit
Die meisten neuen Studien des AdR enthalten eine Vorausschaukomponente, um sicherzustellen, dass langfristiges Denken von Anfang an in die politische Debatte integriert wird. In jüngeren Veröffentlichungen wurden Themen wie die Umsetzung des Mechanismus für einen gerechten Übergang oder die Einführung von KI und generativer KI in lokalen und regionalen Verwaltungen untersucht. Zur Unterstützung dieser Arbeit wird neben spezifischen Workshops zur Vorausschau eine Reihe von Instrumenten der Vorausschau eingesetzt.
Falls Sie als lokale oder regionale Gebietskörperschaft für die Entwicklung zukunftsorientierter Maßnahmen Erkenntnisse aus der Praxis suchen, finden Sie Informationen in diesen Studien.
Interinstitutionelle Zusammenarbeit bei der Vorausschau
Die interinstitutionelle Zusammenarbeit spielt eine zentrale Rolle bei der Stärkung der Vorausschaukapazitäten des AdR. Durch die enge Zusammenarbeit mit anderen EU-Institutionen und internationalen Organisationen sorgt der AdR dafür, dass die lokale und regionale Perspektive systematisch in das langfristige strategische Denken auf europäischer Ebene einbezogen wird.
Eine wichtige Plattform für diese Zusammenarbeit ist das Europäische System für strategische und politische Analysen (ESPAS), der gemeinsame Rahmen der EU für die strategische Vorausschau. 2025 hat der AdR den Foresight Practitioners’ Day des ESPAS ausgerichtet, an dem Expertinnen und Experten für Vorausschau, Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger aus der gesamten EU teilnahmen. Neben Veranstaltungen wirkt der AdR auch an wichtigen Berichten mit, wie etwa dem Global Trends Report 2040 und Berichten des ESPAS, in denen spezifische langfristige Herausforderungen wie der digitale Zusammenhalt und Generationengerechtigkeit untersucht werden.
Wir helfen Ihnen gerne dabei, Ihre Erkenntnisse über die Zukunft Ihrer Stadt oder Region in diese EU-weite Debatte einzubringen.
Einbeziehung der Regionen und Städte der EU in die Vorausschau
Beispiele aus ganz Europa
Immer mehr Städte und Regionen nutzen die Vorausschau, um die Resilienz und die langfristige Planung zu stärken. Hier ein paar Beispiele:
- Baskenland und Katalonien (ES)
- Breda, Friesland, Rotterdam (NL)
- Mittel- und Südestland (EE)
- Zentralmakedonien (EL)
- Flandern, Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens (Ostbelgien) (BE)
- Friaul-Julisch Venetien, Sardinien (IT)
- Hauts-de-France (FR)
- Helsinki-Uusimaa (FI)
- Krakau, Podkarpackie, Warschau (PL)
- München (DE)
- Südmähren (CZ)
Der AdR fördert bewährte Verfahren durch Vorträge zur Vorausschau, Webinare und andere Arten des Austauschs mit lokalen und regionalen Gebietskörperschaften in ganz Europa. Städte und Regionen, die die Vorausschau bereits nutzen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen möchten, Fragen haben oder über geplante Initiativen informiert werden möchten, können sich gerne an uns wenden.
Um die Vorausschau stärker zu nutzen, arbeitet der AdR auch mit Partnern im Rahmen der Strategic Foresight Partnership (SFP) zusammen. Dabei handelt es sich um ein Projekt im Rahmen von Interreg Europe, das vom AdR, der OECD und der Gemeinsamen Forschungsstelle gefördert wird.